Erdboden verschluckt zwei ganze Stockwerke
Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks kehren müde aus dem Katastrophengebiet in Algerien zurück / Drei Tote geborgen
 
Presseartikel aus dem Südhessen Morgen vom 27.05.2003
 

Viernheim. Von körperlichen und psychischen Strapazen gezeichnet, aber wohlbehalten sind gestern sechs Viernheimer THW-Helfer aus dem Erdbebengebiet in Algerien zurückgekehrt. Drei Tage lang hatten sie in der Stadt Boumerdes nach Verschütteten gesucht. Vergeblich: Nur drei Tote konnten aus den Trümmern geborgen werden.

Dabei bedeutet die Gewissheit um das traurige Schicksal eines Menschen oft schon Trost für die Familienangehörigen und Freunde, wissen die Retter. Die Dankbarkeit der leidgeplagten Menschen vor Ort und die "Macht der Natur" haben auch den 33-jährigen Christian Busalt bei seinem fünften Auslandseinsatz besonders beeindruckt. Gerade einmal 60 Zentimeter Schutt seien teilweise von den ersten beiden Stockwerken der Wohnhäuser übrig geblieben: "Der Balkon liegt dann ebenerdig auf." In anderen Gegenden habe es dagegen kaum Schäden gegeben, berichtete Busalt dem "Südhessen Morgen".

Der Ortungsspezialist des Technischen Hilfswerks war am frühen Donnerstagmorgen direkt von einem Führungslehrgang der "Seeba" (Schnell-Einsatz-Einheit-Bergung-Ausland), der in Hoya bei Bremen stattfand, abberufen worden. 25 Personen dieser Spezialtruppe aus Hessen, dem Saarland, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen - und neun Rettungshunde - gehörten zu den ersten ausländischen Hilfskräften, die noch am gleichen Tag im Katastrophengebiet eintrafen. Neben den Ortungsspezialisten Busalt und Uwe Tobias war die Viernheimer Ortsgruppe mit den Hundeführern Susanne Emmering, Nicole Koulmann, Andreas Flachs und Kurt Halbgewachs stark vertreten.

Nach den Einreiseformalitäten in der Hauptstadt Algier fuhren die Retter in das 30 Kilometer östlich gelegene Boumerdes, wo die Naturgewalten besonders gewütet hatten. Während ein Teil der Mannschaft noch das Lager aufbaute, machte sich die zweite Gruppe bereits auf die Suche nach Verschütteten. Unterstützt wurde das THW von sechs Einsatzkräften und vier Hunden des Roten Kreuzes sowie einheimischen Helfern, die entweder mit schwerem Gerät oder nur den bloßen Händen nach ihren Landsleuten gruben. Unter Flutlicht gelangen den THWlern schon in der ersten Nacht einige der insgesamt 14 Ortungen. Für drei Menschen kam jede Hilfe zu spät.

Das Vorgehen der Experten läuft nach einem festen Muster ab: Zunächst werden Hunde auf die Fährte von Vermissten geführt. Sollten die vierbeinigen Spürnasen nicht anschlagen, hilft möglicherweise ein akustisches Ortungsgerät weiter. Dann lässt Christian Busalt seine "Search-Cam", eine endoskopähnliche Kamera, in die Gebäudetrümmer eindringen und erkundet den Fundort. Erst danach entscheidet das Team, wie bei der Bergung vorzugehen ist.

Wenn ein Verschütteter zwischen den eingestürzten Mauern herausgeholt wird, bekommt Christian Busalt das häufig gar nicht mehr mit. Oft ist er bereits an einem anderen Schauplatz aktiv oder legt eine der wenigen Ruhepausen ein. Zwölf Stunden Arbeit, kurz essen, vier bis sechs Stunden Schlaf, lautet der Rhythmus im Schichtbetrieb, der nichts für Zartbesaitete ist. Dabei ist die Dauer der "Seeba"-Unternehmungen überschaubar: Nach 72 Stunden "nimmt die Chance einer Lebendbergung rapide ab", erklärte Busalt. "Nur noch mit Glück" ist ein Erfolg zu verbuchen. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt erwacht die Bevölkerung laut Busalt aus ihrem Schockzustand: "Die Beklemmtheit hört auf, Hilferufe werden lauter", beschrieb er die Situation, wie sie sich auch in Algerien wiederholte. Die Einsatzleitung werde dann an allen Orten gleichzeitig gebraucht.

Nur noch am Ende ihres Aufenthalts haben die Viernheimer diese Veränderung mitbekommen. Gegen 20 Uhr Ortszeit am Sonntagabend wartete in Algier bereits das Flugzeug nach Frankfurt. Der Ankunft um 0.30 Uhr folgte noch ein kleiner Empfang, bevor sich die müden Helfer am Morgen wieder in die heimischen Betten fallen lassen konnten. Für das THW insgesamt ist die Arbeit wohl noch nicht getan: Nach Angaben von Busalt sind mittlerweile zwei Fachberater in dem nordafrikanischen Land eingetroffen und bieten ein Folgeprojekt zur Seuchenbekämpfung an. Beseitigung von Häuserresten und Trinkwasseraufbereitung stehen dann im Vordergrund.


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